Making-of «Automania» 

Rückblickend war «Automania» ein Kamikaze-Projekt, das genauso gut im Desaster hätte enden können. Dass es nicht zum Crash kam, ist vielen, sehr lieben Menschen zu verdanken und einigen mutigen Stiftungen (siehe im Footer). Weiter hat der Leiter des Masterstudiengangs Film an der Hochschule Luzern, Prof. Fred Truniger, das Projekt nach Kräften ideell und fachlich untersützt. Grossen Dank gebürt auch meinen Protagonistinnen und Protagonisten jeglicher politischer Colour, die sich sowohl bereit erklärt haben, als auch den Mut hatten, in «Automania» aufzutreten.

Automania wird nach seiner Fertigstellung rund 100 000.- Franken gekostet haben. Für eine vergleichbare Schweizer Dokumentarfilmproduktion ist das absolutes Lowbudget – und nur dank einer engagierten Crew möglich. In diesem Betrag enthalten sind mehrere Auslandreisen inklusive Crew, der Kauf eines Vintage-Volvos sowie einen aufwändigen, einwöchigen Dreh von drei «Reenactment-Szenen» persönlicher Kindheitserinnerungen. Selbst für die neuen Reifen des BMWs meines Protagonisten Fabrizio nach der Produktion des «Burnout-Drifts» kam ich vollumfänglich auf.

Die finanziellen Mittel stammen hauptsächlich aus Succès-Cinema-Beiträgen-Cinema-Beiträgen, die ich dank des Publikumerfolgs meines Dokumentarfilmprojekts «Sub Jayega – Die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies» beim BAK abrufen konnte. Ein grosszügiger Beitrag wurde auch von der Filmförderung des Kantons Luzern gesprochen. Dazu kamen Beiträge von privaten Stiftungen sowie einer privaten Gönnerin, der ich unglaublich dankbar bin. Das Geld kam just in einer finanziell anspruchsvollen Zeit nach meinem Studium Master Film an der HSLU.

Noch fehlen 12 000.- Franken, die aufgetrieben werden müssen. Deshalb läuft ab 30. April ein Crowdfunding auf Wemameit.

automania_web_lowres120

Von Houston nach L.A.

In der USA, einem Land ohne Autohassern und Autoscham

Mehr Info
CarlosMoreno_key

In Wien und Paris

Austausch mit Verkehrsplanern und Stadtraumentwicklern

Mehr Info
automania_web_lowres082

Reenactment-Szenen

Das Auto meiner Kindheit und wie ich zum Autohasser wurde

Mehr Info
nuerburg_key

Auf dem Nürburgring

Touristenfahrt durch die «Grüne Hölle», gemeinsam mit meinem Protagonisten Fabrizio

Mehr Info
automania_web_lowres020

Die Verkehrspsychologin

Besuch bei der renomierten Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Bietry

Mehr Info
Postproduktion_key.jpeg

Postproduktion

Einblick in den Schnittraum von «Automania», wo zauberhafte Dinge entstehen

Mehr Info

In der USA, einem Land ohne Autohassern und Autoscham

Ich setze mich der «Droge Automobil» bewusst aus. Ich treffe auf Menschen, für die das Auto die Quelle ihrer Lebenskraft bedeutet. Rebecca Bass, eine ArtCar-Künstlerin der ersten Stunde, für die das Automobil die ultimative Freiheitsmaschine darstellt. Den texanischen Unternehmer Louis Waters, ein passionierte Oldtimer-Sammler, der mich ins Geheimnis
des Cabriolet-Fahrens einführt: Das Gefühl eines Cowboys, vollständig den Elementen ausgesetzt.  Den Wind im Gesicht, die Sonne im Nacken – das will ich spüren! Es ist die volle Dosis »Droge Automobil«.

Die anschliessende Fahrt durch den Mittleren Westen nach Kalifornien wird zu einer Art Katharsis: Ich treffe auf einen echten Cowboy, hoch zu Pferd; auf Navajos mit ihren staubigen Autos vor der Waschanlage ihres Reservats, sowie einen Redneck, der mir glaubhaft versichert, nur in seinem Pickup-Truck sei ein Crash mit einem Hirsch zu überleben – ganz im Gegensatz zu meinem leichten Cabriolet.

automania_web_lowres007automania_web_lowres099automania_web_lowres104automania_web_lowres123automania_web_lowres121automania_web_lowres105automania_web_lowres006

Fotos: Leonardo Biasio

Austausch mit Verkehrsplanern und Stadtraumentwicklern

Einer der Protagonisten – und der Mentor auf meiner persönlichen Heldenreise – ist bereits 82 Jahre alt: Professor Hermann Knoflacher, Erfinder des «Gehzeugs», einem Viereck aus Dachlatten mit dem Grundriss eines Mittelklassewagens. Dieses entwickelte er visionär in den autoverliebten Siebzigerjahren zur Veranschaulichung des exorbitanten Platzverbrauchs eines Automobils.

So führt die Reise auch nach Paris, in die 15-Minuten-Stadt. Diese Vision stammt von Professor Carlos Moreno von der Universität Sorbonne in Paris. Die grüne Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat seine Idee adaptiert und ist mit Elan daran, ihre permanent durch einen Autoinfarkt bedrohte Pariser Innenstadt autofrei umzugestalten. Die wichtigen Anlaufstellen für die Bewohnerinnen und Bewohner sollen innerhalb von 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar sein.

automania_still044automania_web_lowres014automania_web_lowres015automania_web_lowres016IMG_4480.jpegautomania_web_lowres010automania_web_lowres019006IMG_4521.jpeg

Fotos: Leonardo Biasio, Fabian Biasio, Fabian Keller, Screenshots

csm_automania011_60b92e2788

Foto: Christoph Fischer

zurück

Das Auto meiner Kindheit und wie ich zum Autohasser wurde

Ein Volvo 242, gekauft von Autohandel Ayoub im luzernischen Nebikon. Es diente als filmische Kulisse für szenische Rückblenden meiner Kindheit. Es hatte den selben Jahrgang wie ich und war das erste Auto meines Vaters, das ich bewusst wahrgenommen habe. Unser oranger Volvo war ein fester Bestandteil meines Lebens als Kind – und eine Art Familienmitglied. Es erweiterte meinen Radius, ermöglichte Urlaub und Bequemlichkeit. Auf der Fahrt in den Urlaub schlief ich auf der Hutablage. Als ich erwachte, sah ich das Meer. 

automania_web_lowres097automania_web_lowres056automania_web_lowres079automania_web_lowres041automania_web_lowres037automania_web_lowres036

Die Grüne Hölle

Der Nürburgring ist eine Institution. Die Grüne Hölle – eine Legende. Hier verunglückte Niki Lauda im Jahr 1976 schwer. Sein Ferrari verwandelte sich in eine 220km/h schnelle Feuerkugel. Der österreichische Rennpilot entging nur knapp der Flammenhölle – und sass sechs Wochen später bereits wieder im Cockpit.

Ich liege nun selbst Schalensitz von Fabrizios BMW, während die Fliehkräfte an mir und meiner Kamera zerren. Kurven nimmt er mit 120km/h, auf Geraden erreichen wir rund 220km/h, etwa Niki Laudas Tempo im Moment seines Unfalls. Doch Fabrizio, das muss ich mir eingestehen, ist tatsächlich ein hervorragenden Fahrer. Man rast durch bewaldete Hügel, ein Auf und Ab, die Strecke gilt als eine der anspruchsvollsten der Welt. Autofanatiker aus ganz Europa pilgern hierher, seit die Strecke, heute mehrheitlich im Besitz eines russischen Oligarchen, auch für Touristen offen steht.

Solche «Touristenfahrten» kosten an Wochenenden 35 Euro die Runde. Es drohen darüber hinaus zehntausende Euro Schaden bei einer durch selbstüberschätzung provozierten Zerstörung des eigenen Autos, was an einem Wochenende eines «Green Hell Drive» öfters vorkommt. Diese Pechvögel, überstehen sie ihren Crash unverletzt, müssen dann mit ansehen, wie ihr geliebtes, nunmehr demoliertes Auto auf einen Abschleppwagen gehievt wird und an den Zuschauerrängen vorbei zur nächsten Ausfahrt transportiert wird – eine Fahrt der Schande. Für alle Fälle steht immer ein Rettungswagen bereit, es wurden damit auch schon Leichen eingesammelt.

placeholder image sqplaceholder imageplaceholder imageplaceholder image sqplaceholder image sqplaceholder imageautomania_still028

Fotos: Screenshots

placeholder image

Foto: Leonardo Biasio

zurück

Bei der Verkehrspsychologin

Die Idee, sich als Filmemacher in die Praxis einer Psychologin zu setzen, ist nicht neu. Dabei sprach der grosse Regisseur Werner Herzog in einem Interview davon,  Psychologen seien «die Krankheit unserer Zeit», man solle sie allesamt «in ein Flugzeug setzen und auf eine einsame Pazifikinsel verfrachten». Das scheint eher eine persönlich eingefärbte Meinung zu sein.

Ich habe es getan und liess meine Fahreignung durch die renomierte Verkehrspsychologin und Gutachterin Jacqueline Bächli-Bietry abklären. Sie zeigte sich leicht irritiert über meine Aussage,  dass ich als Fahrradfahrer nur eine einzige Verkehrsregel befolgen würde: «Am Leben zu bleiben» und dieser Regel alle anderen Verkehrsregeln unterordnen würde.

Einen unermesslich kostbaren, persönlichen Rat gab sie mir mit: Ein wenig mehr Freundlichkeit im Verkehr. Denn: «Freundlichkeit ist eine Form von Intelligenz». 

baechliscreenshots_zureich004baechli02screenshots_zuerich005screenshots_zuerich002

Fotos: Leonardo Biasio, Fabian Biasio, Screenshot

Postproduktion

Der Cutter Isai Oswald (Bild) hat neben verschiedenen Dokumentarfilmen auch den Splasher-Film «MAD HEIDI» geschnitten. Über «Automania» sagt er: «Unkonventionell, modern und mit einer gesunden Dosis Witz. Es braucht mehr solche Filme in der Schweiz».

Noch ist der Film nicht abgeschlossen. So arbeitet Sounddesigner Tobias Herzog an der Musik. Gemischt wird «Automania» Surround 5.1 durch Thomas Gassmann, das Color-Grading übernimmt Stefan Gallego. 

EDI_BAK_DE_RGB_POS_HOCH
Luzern_filmfoerderung
volkart_stiftung_2z_cmyk.2023 03 08 09 23 40
logo casimir
Stadt%20Luzern%20Logo%20FUKA Fonds%20rgb%20V3
corymbo_logo_d_2f 1

ISAN 0000-0006-3639-0000-F-0000-0000-T