Rückblickend war «Automania» ein Kamikaze-Projekt, das genauso gut im Desaster hätte enden können. Dass es nicht zum Crash kam, ist vielen, sehr lieben Menschen zu verdanken und einigen mutigen Stiftungen (siehe im Footer). Weiter hat der Leiter des Masterstudiengangs Film an der Hochschule Luzern, Prof. Fred Truniger, das Projekt nach Kräften ideell und fachlich untersützt. Grossen Dank gebürt auch meinen Protagonistinnen und Protagonisten jeglicher politischer Colour, die sich sowohl bereit erklärt haben, als auch den Mut hatten, in «Automania» aufzutreten.
Automania wird nach seiner Fertigstellung rund 130 000.- Franken gekostet haben. Für eine vergleichbare Schweizer Dokumentarfilmproduktion ist das ziemliches Lowbudget – und nur dank einer engagierten Crew möglich. In diesem Betrag enthalten sind mehrere Auslandreisen inklusive Crew, der Kauf eines Vintage-Volvos sowie einen einwöchigen Dreh von drei «Reenactment-Szenen» meiner Kindheitserinnerungen. Selbst für die neuen Reifen des BMWs meines Protagonisten Fabrizio nach der Produktion des «Burnout-Drifts» kam ich vollumfänglich auf.
Die finanziellen Mittel stammen hauptsächlich aus Succès-Cinéma-Beiträgen-Cinema-Beiträgen, die ich dank des Publikumerfolgs meines Dokumentarfilmprojekts «Sub Jayega – Die Suche nach dem Palliative-Care-Paradies» beim BAK abrufen konnte. Ein grosszügiger Beitrag wurde auch von der Filmförderung des Kantons Luzern gesprochen. Dazu kamen Beiträge von privaten Stiftungen sowie einer privaten Gönnerin, der ich unglaublich dankbar bin.

Touristenfahrt durch die «Grüne Hölle», gemeinsam mit meinem Protagonisten Fabrizio

Besuch bei der renomierten Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry

Einblick in den Schnittraum von «Automania», wo zauberhafte Dinge entstehen
Ich setze mich der «Droge Automobil» bewusst aus. Ich treffe auf Menschen, für die das Auto die Quelle ihrer Lebenskraft bedeutet. Rebecca Bass, eine ArtCar-Künstlerin der ersten Generation für die das Automobil die ultimative Freiheitsmaschine darstellt. Den texanischen Unternehmer Louis Waters, ein passionierte Oldtimer-Sammler, der mich ins Geheimnis des Cabriolet-Fahrens einführt: Das Gefühl eines Cowboys, vollständig den Elementen ausgesetzt. Den Wind im Gesicht, die Sonne im Nacken – das will ich spüren! Es ist die volle Dosis «Droge Automobil».
Die anschliessende Fahrt durch den Mittleren Westen nach Kalifornien wird zu einer Art Katharsis: Ich treffe auf einen echten Cowboy, hoch zu Pferd; auf Navajos mit ihren staubigen Autos vor der Waschanlage ihres Reservats, sowie einen Redneck, der mir glaubhaft versichert, nur in seinem Pickup-Truck sei ein Crash mit einem Hirsch zu überleben – ganz im Gegensatz zu meinem leichten Cabriolet: Da wäre ich nach so einem Zusammenstoss erledigt.







Fotos: Leonardo Biasio
Einer der Protagonisten – und der Mentor auf meiner persönlichen Heldenreise – ist bereits 82 Jahre alt: Professor Hermann Knoflacher, Erfinder des «Gehzeugs», einem Viereck aus Dachlatten mit dem Grundriss eines Mittelklassewagens. Dieses entwickelte er visionär in den autoverliebten Siebzigerjahren zur Veranschaulichung des exorbitanten Platzverbrauchs eines Automobils.
So führt die Reise auch nach Paris, in die 15-Minuten-Stadt. Diese Vision stammt von Professor Carlos Moreno von der Universität Sorbonne in Paris. Die grüne Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat seine Idee adaptiert und ist mit Elan daran, ihre permanent durch einen Autoinfarkt bedrohte Pariser Innenstadt autofrei umzugestalten. Die wichtigen Anlaufstellen für die Bewohnerinnen und Bewohner sollen innerhalb von 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar sein.









Fotos: Leonardo Biasio, Fabian Biasio, Fabian Keller, Screenshots
Ein Volvo 242, gekauft von Autohandel Ayoub im luzernischen Nebikon. Es diente als filmische Kulisse für szenische Rückblenden meiner Kindheit. Es hatte den selben Jahrgang wie ich und war das erste Auto meines Vaters, das ich bewusst wahrgenommen habe. Unser oranger Volvo war ein fester Bestandteil meines Lebens als Kind – und eine Art Familienmitglied. Es erweiterte meinen Radius, ermöglichte Urlaub und Bequemlichkeit. Auf der Fahrt in den Urlaub schlief ich auf der Hutablage. Als ich erwachte, sah ich das Meer.






Der Nürburgring ist eine Institution. Die Grüne Hölle – eine Legende. Hier verunglückte Niki Lauda im Jahr 1976 schwer. Sein Ferrari verwandelte sich in eine 220km/h schnelle Feuerkugel. Der österreichische Rennpilot entging nur knapp der Flammenhölle – und sass sechs Wochen später bereits wieder im Cockpit.
Ich liege nun selbst Schalensitz von Fabrizios BMW, während die Fliehkräfte an mir und meiner Kamera zerren. Kurven nimmt er mit 120km/h, auf Geraden erreichen wir rund 220km/h, etwa Niki Laudas Tempo im Moment seines Unfalls. Doch Fabrizio, das muss ich mir eingestehen, ist tatsächlich ein hervorragenden Fahrer. Man rast durch bewaldete Hügel, ein Auf und Ab, die Strecke gilt als eine der anspruchsvollsten der Welt. Autofanatiker aus ganz Europa pilgern hierher, seit die Strecke, heute mehrheitlich im Besitz eines russischen Oligarchen, auch für Touristen offen steht.
Solche «Touristenfahrten» kosten an Wochenenden 35 Euro die Runde. Es drohen darüber hinaus zehntausende Euro Schaden bei einer durch selbstüberschätzung provozierten Zerstörung des eigenen Autos, was an einem Wochenende eines «Green Hell Drive» öfters vorkommt. Diese Pechvögel, überstehen sie ihren Crash unverletzt, müssen dann mit ansehen, wie ihr geliebtes, nunmehr demoliertes Auto auf einen Abschleppwagen gehievt wird und an den Zuschauerrängen vorbei zur nächsten Ausfahrt transportiert wird – eine Fahrt der Schande. Für alle Fälle steht immer ein Rettungswagen bereit, es wurden damit auch schon Leichen eingesammelt.







Fotos: Screenshots
Die Idee, sich als Filmemacher in die Praxis einer Psychologin zu setzen, ist nicht neu. Dabei sprach der grosse Regisseur Werner Herzog in einem Interview davon, Psychologen seien «die Krankheit unserer Zeit», man solle sie allesamt «in ein Flugzeug setzen und auf eine einsame Pazifikinsel verfrachten». Das scheint eher eine persönlich eingefärbte Meinung zu sein.
Ich habe es getan und liess meine Fahreignung durch die renomierte Verkehrspsychologin und Gutachterin Jacqueline Bächli-Bietry abklären. Sie zeigte sich leicht irritiert über meine Aussage, dass ich als Fahrradfahrer nur eine einzige Verkehrsregel befolgen würde: «Am Leben zu bleiben» und dieser Regel alle anderen Verkehrsregeln unterordnen würde.
Einen unermesslich kostbaren, persönlichen Rat gab sie mir mit: Ein wenig mehr Freundlichkeit im Verkehr. Denn: «Freundlichkeit ist eine Form von Intelligenz».





Fotos: Leonardo Biasio, Fabian Biasio, Screenshot
Der Cutter Isai Oswald (Bild) hat neben verschiedenen Dokumentarfilmen auch den Splasher-Film «MAD HEIDI» geschnitten. Über «Automania» sagt er: «Unkonventionell, modern und mit einer gesunden Dosis Witz. Es braucht mehr solche Filme in der Schweiz».
Noch ist der Film nicht abgeschlossen. So arbeitet Sounddesigner Tobias Herzog an der Musik. Gemischt wird «Automania» Surround 5.1 durch Thomas Gassmann, das Color-Grading übernimmt Stefan Gallego.







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